Der Aktionsplan der deutschen Bundesregierung gegen Organisierte Kriminalität

Was die neuen Maßnahmen für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität bedeuten 

 

Organisierte Kriminalität ist längst keine Randerscheinung mehr. Sie stellt eine strukturelle Herausforderung für die innere Sicherheit und den Wirtschaftsstandort Deutschland dar. Finanzkriminalität, Geldwäsche, internationaler Drogenhandel sowie Banden- und Clanstrukturen verursachen erhebliche Schäden und untergraben das Vertrauen in staatliche Institutionen. Am 25. Februar 2026 hat das deutsche Bundeskabinett darauf reagiert und einen Gemeinsamen Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität beschlossen. Erarbeitet wurde er vom deutschen Bundesministerium der Finanzen (BMF), dem deutschen Bundesministerium des Innern und dem deutschen Bundesministerium der Justiz. Für Unternehmen, Finanzinstitute, Compliance-Abteilungen und alle, die sich professionell mit wirtschaftskriminellen Strukturen befassen, setzt der Plan dabei ein klares Signal: Die staatliche Bekämpfung komplexer krimineller Strukturen soll stärker vernetzt, datengetrieben und international ausgerichtet werden.

Warum Organisierte Kriminalität zum Wirtschaftsrisiko wird

Nach den aktuellen Bundeslagebildern zu Organisierter Kriminalität und Rauschgiftkriminalität beziffert das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) die durch entsprechende Delikte verursachte Schadenssumme im Jahr 2024 auf rund 2,65 Milliarden Euro. Der deutsche Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bezeichnete organisierte Täterstrukturen als Angriff auf den Rechtsstaat und die Allgemeinheit. Die deutsche Bundesregierung verbindet die verstärkte Bekämpfung Organisierter Kriminalität dabei ausdrücklich mit dem Ziel, kriminelle Gewinne konsequenter zu entziehen und sicherzustellen, dass sich Kriminalität wirtschaftlich nicht lohnt.

Zwei Behörden, mehr Daten

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der rechtlichen, technischen und personellen Stärkung des deutschen Zolls und des deutschen Bundeskriminalamts. Beide Behörden sollen künftig stärker auf die Daten der jeweils anderen Stelle zugreifen können. Dadurch sollen Informationen schneller zusammengeführt, Ermittlungen effizienter geführt und bestehende Zuständigkeitslücken besser geschlossen werden. Gleichzeitig sollen zusätzliche personelle Kapazitäten die Umsetzung der erweiterten Möglichkeiten unterstützen.

Wenn Ermittlungen datengetrieben werden

Ein weiteres Kernelement ist die stärkere Zusammenführung vorhandener Informationen in einem gemeinsamen Datenhaus. Ergänzend soll Künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um große Datenmengen automatisiert zu analysieren und unter anderem einen biometrischen Internetabgleich zu ermöglichen. Ziel ist es, relevante Muster und Zusammenhänge schneller zu erkennen und Tatverdächtige besser zu identifizieren. Der Ansatz weist dabei Parallelen zu Intelligence-led Investigations auf, bei denen strukturierte Datenanalyse und die systematische Verknüpfung von Informationen eine zentrale Rolle spielen.

Follow the Money: Der Zugriff auf kriminelle Vermögen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Prinzip „Follow the Money“. Finanzermittlungen sollen konsequenter dazu eingesetzt werden, kriminelle Vermögenswerte zu identifizieren, sicherzustellen und einzuziehen. Dazu können unter anderem Bargeld, Luxusfahrzeuge oder Immobilien gehören. Die deutsche Bundesregierung setzt damit gezielt dort an, wo kriminelle Organisationen besonders verwundbar sind: bei ihren finanziellen Strukturen und Gewinnen. Die dafür notwendigen rechtlichen Grundlagen sollen im Einklang mit dem Verfassungsrecht weiterentwickelt werden.

Gebündelte Expertise gegen komplexe Strukturen

Der Aktionsplan sieht zudem den Aufbau spezialisierter Strukturen vor. Dazu gehören ein gemeinsames Kompetenzzentrum von Zoll und BKA zur Bekämpfung komplexer Finanzkriminalität, ein Ermittlungszentrum für Geldwäsche beim deutschen Zoll sowie ein gemeinsames Analyse- und Auswertungszentrum „Rauschgift“ von Zollkriminalamt und Bundeskriminalamt. Ziel ist es, Fachwissen, Daten und operative Fähigkeiten stärker zu bündeln und insbesondere komplexe sowie international vernetzte Strukturen effektiver zu verfolgen.

Geldwäsche im Fokus der Neuausrichtung

Auch die Bekämpfung von Geldwäsche soll weiterentwickelt werden. Vorgesehen ist zunächst eine Evaluation und mögliche Weiterentwicklung des Straftatbestands der Geldwäsche nach § 261 StGB. Dabei soll insbesondere geprüft werden, ob künftig auch sogenannte ersparte Aufwendungen erfasst werden können. Dies könnte unter anderem für die Verfolgung von Steuerhinterziehung, Umwelt- und Artenschutzdelikten sowie der Veruntreuung von Arbeitsentgelt relevant sein. Darüber hinaus soll der bereits im Geldwäscherecht geltende „All Crime“-Ansatz auch im Strafprozessrecht konsequenter umgesetzt werden. Dadurch sollen Ermittlungsmaßnahmen bei gewerbs- oder bandenmäßiger Geldwäsche unabhängig vom konkreten Deliktstyp der Vortat ermöglicht werden. Für die Bekämpfung komplexer und international verschachtelter Geldwäschestrukturen würde dies die Ermittlungsfähigkeit der Behörden erweitern.

Kriminalität kennt keine Grenzen

Organisierte Kriminalität endet nicht an nationalen Grenzen. Entsprechend sieht der Aktionsplan einen weiteren Ausbau der internationalen Zusammenarbeit vor, insbesondere bei der Aufdeckung und Bekämpfung internationaler Rauschgiftkriminalität. Der Austausch von Informationen und die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern sollen dadurch weiter gestärkt werden.

Was Unternehmen jetzt beachten sollten

Auch wenn sich der Aktionsplan in erster Linie an Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden richtet, ist seine Entwicklung für Unternehmen, Finanzinstitute, Kanzleien und Compliance-Abteilungen relevant. Geplante Veränderungen bei Vermögensabschöpfung, Geldwäschebekämpfung und digitalen Ermittlungsbefugnissen können das Umfeld verändern, in dem Unternehmen Risiken von Geschäftspartnern, Finanzflüssen und verschleierten Vermögensstrukturen bewerten. Gleichzeitig zeigt der Aktionsplan deutlich, in welche Richtung sich die staatliche Bekämpfung komplexer Kriminalität entwickelt: hin zu stärker vernetzten Daten, automatisierter Analyse, KI-gestützter Mustererkennung und internationalem Informationsaustausch. Für Unternehmen gewinnt damit die Fähigkeit an Bedeutung, eigene Geschäftsbeziehungen, Finanzflüsse und potenzielle Risikostrukturen frühzeitig zu erkennen und einzuordnen.

Was das für Intelligence bedeutet

FOREUS beobachtet regulatorische und sicherheitspolitische Entwicklungen wie den Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität, weil sie das Risikoumfeld unserer Mandanten unmittelbar beeinflussen können. Unsere Expertise in Fraud Investigations, Corporate Intelligence, Open Source Intelligence (OSINT), Blockchain-Analytik und Asset Tracing basiert dabei auf ähnlichen Prinzipien: Informationen strukturiert auszuwerten, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Geldflüsse nachzuverfolgen und verschleierte Vermögensstrukturen aufzudecken. Für Unternehmen wird es zunehmend relevant, nicht nur regulatorische Anforderungen zu erfüllen, sondern potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen. Wer Geschäftsbeziehungen, Unternehmensstrukturen und Finanzflüsse fundiert analysieren kann, schafft eine belastbare Grundlage für Entscheidungen und kann Risiken erkennen, bevor sie zu einem operativen oder rechtlichen Problem werden.

Der neue Maßstab für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität

Der Gemeinsame Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität steht für eine deutlich stärker vernetzte und datengetriebene Ausrichtung der deutschen Strafverfolgung: mehr technologische Unterstützung, intensiverer Informationsaustausch, spezialisierte Strukturen, internationale Zusammenarbeit und ein konsequenterer Zugriff auf kriminelle Vermögenswerte. Für Unternehmen ist dabei vor allem die Richtung relevant, die der Staat vorgibt. Die Fähigkeit, große Datenmengen auszuwerten, komplexe Strukturen zu erkennen und Finanzflüsse konsequent zu verfolgen, wird zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Während staatliche Behörden ihre Ermittlungskapazitäten entsprechend ausbauen, wird auch für Unternehmen eine strukturierte und intelligenzbasierte Analyse ihrer Geschäftsbeziehungen und Risikostrukturen zunehmend relevant.